Vom illegalem Wappentier

 

Fester Bestandteil eines jeden Schnadezuges ist der Traditionsesel »Huberta«. Ohne sie ist ein Schnadezug nicht denkbar, weswegen man von ihr auch als dem illegalen Wappentier der Stadt Brilon spricht.

 

Scherzhaft spricht man von ihr auch als »Briloner Nachtigall«, was als Anspielung auf das vergleichsweise raue Briloner Klima zu verstehen ist, welches keine der nur im Flachland heimischen Nachtigallen herbeilockt. Daher mussten sich die Briloner früher mit dem allabendlich aus den Ställen ertönenden, mehr oder weniger melodiösen »Gesang« der Grautiere begnügen.

 

Aber warum wird ausgerechnet ein einzelner Esel im Schnadezug mitgeführt?

Um diese Frage zu beantworten, ist wieder ein Blick in die Vergangenheit notwendig. Mit dem Erwerb des Briloner Bürgerrechtes war in früheren Zeiten das Vorrecht verbunden, das für die Errichtung eines Hauses benötigte Bauholz und auch das für die spätere Nutzung benötigte Brennholz kostenlos aus den städtischen Wäldern entnehmen zu dürfen. Und hierfür wurden eben überwiegend die zähen und von Natur aus genügsamen Esel eingesetzt, die sich auch auf den oftmals schmalen und steilen Pfaden der ausgedehnten Briloner Wälder gut zurechtfanden.

 

Die Esel schleppten aber nicht nur Holz aus den Wäldern in die Stadt. Viele Bauern setzten sie auch dazu ein, auf ihren robusten Rücken das Korn zu den an der Aa gelegenen Mühlen zu schaffen und anschließend das Mehl und die Kleie zurück zu bringen.

 

Wenn die Briloner aber alle zwei Jahre ihren Schnadezug begingen, blieben viele der Esel nicht etwa in den Ställen zurück, sondern wurden von den Jugendlichen gern als Reittier genutzt.

 

Man kann also sagen, dass die Esel ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Brilon und eine große Hilfe für die Bürger waren. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts waren sie insofern ein vertrauter Anblick im Briloner Stadtbild, wovon auch ihre Anzahl zeugt. Wurden im Jahre 1760 noch 110 Langohren gezählt, so stieg ihre Zahl auf 181 im Jahre 1777 und 223 im Jahre 1837. In der Folgezeit ging ihre Zahl jedoch rapide zurück. Im Jahre 1864 waren es nur noch 55 und am Ende des 19. Jahrhunderts war von Eselhaltung schließlich überhaupt nicht mehr die Rede. Nur zum Schnadezug wird seither ein einzelner Esel, die »Huberta«, mitgeführt und damit die Erinnerung an ein Stück Stadtgeschichte wach gehalten.

 

Der Huberta als Sinnbild für die Schnade wurde übrigens zusammen mit ihrem langjährigen Führer Theodor Isenberg, einem echten Briloner Original, eine schöne Skulptur in der Königstraße gesetzt.

 

Die vorgenannten Ausführungen beruhen im Wesentlichen auf der Abhandlung »Stadtgeschichte auf vier Hufen« des Briloner Historikers Gerhard Brökel, der darin die Viehhaltung in Brilon im Allgemeinen und die Eselhaltung im Speziellen näher beleuchtet hat.